Peter Dörflers Dokumentarfilm ACHTERBAHN erzählt die unglaubliche Geschichte der Familie Witte: das Scheitern des Schaustellers und Unternehmers Norbert Witte und den scheinbar aussichtslosen Kampf Pia Wittes in Lima und Berlin um die Freilassung ihres Sohnes. Es ist ein Film, der mit bizarrem Charme – amüsant und tragisch – die Story eines Aufsteigers erzählt, der die Nr. 1 sein wollte, auf die Nase fällt, um bei nächster Gelegenheit wieder von vorne zu beginnen.
Ab dem 30. April ist ACHTERBAHN, welcher mit großen großem Erfolg bei den 59. Internationalen Filmfestspielen Berlin in der Sektion Perspektive Deutsches Kino lief, auf DVD erhältlich.
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“Immer der Nase nach” – damit schickte man früher Gaukler auf der Suche nach der nächstgelegenen Burg fort. Gemeint waren die unverkennbaren Gerüche aus dem Burggraben, die schon von weitem zu riechen waren. Heute haben die Städte Kanalisationen, und das umherziehende Volk der Schausteller und Zirkusleute benutzt Navigationssysteme. Leiten läßt es sich jedoch noch immer von seinem untrüglichen Riecher, wo das nächste Geschäft zu machen ist. Seit rund 200 Jahren tingelt der Familienzirkus Lauenburger schon durch die Dörfer. André Lauenburger, seine drei Frauen – Mutter, Schwester und Ehefrau – und vier Kinder gehören zu den letzten Nomanden Süddeutschlands. Ein hartes Leben. Jeden Tag abbauen, einpacken, fahren, aufbauen und auftreten.
Nebenher müssen die Tiere und Menschen versorgt werden, Planung und Organisation müssen stimmen, Vorschriften eingehalten werden. Am Ende bleibt die ständige Sorge um die Zukunft – fernab aller Träume von Freiheit und Unabhängigkeit. Doch Aufgeben kommt für die Zirkusfamilie nicht in Frage, der Applaus ist ihr Lebenselixier. Acht Generationen des Familienclans haben als Clowns und Artisten ihren Lebensunterhalt verdient, und so soll es weiter gehen.
Süddeutsche Zeitung TV begleitet auch den altehrwürdigen Kirmes-Clan der Distels von Rummelplatz zu Rummelplatz: Sie sind in sechster Generation Schausteller. Patriarch Heinz schwelgte noch gerne in Erinnerungen an alte Zeiten, doch seine Söhne müssen sich heute – wie die Zirkusleute auch – mit den steigenden Anforderungen des Publikums auseinander setzen. Dennoch: Auch die Distels haben noch nie überlegt, das Geschäft aufzugeben und in irgendeine bürgerliche Existenz zu wechseln.
11.02.2009 23:25 -DMAX