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Donnerstag, 28.01.2010

“Wie werde ich eigentlich Rekommandeur”, so lautet eine beliebte Frage, vieler besonders jüngerer Kirmesfans in den Foren. Doch seit einiger Zeit beobachtet man verstärkt das Auftreten sogenannter “Simulationsvideos”. Schuld daran sind die ebenfalls in der letzten Zeit vermehrt auftretenden, oftmals mehr schlecht als recht gemachten Computersimulationen von Fahrgeschäften.

Ich muss gestehen, oft bin ich den Tränen nahe, wenn ich diese hierzu oftmals von Teenagern erstellten Videos, deren größter Traum ist, einmal als Rekommandeur am Pult eines Fahrgeschäftes zu sitzen, begutachte.

Oft wird mit verstellter, nasaler Stimme gesprochen. Von der “Wolldecke” die manche dabei im Mund haben ganz zu schweigen.

Vielleicht gerade deswegen, habe ich mir die Mühe gemacht, und einmal ein paar Tipps und Gedankenanregungen für angehende Rekommandeure – welche besonders am Computer ihre “Virtuellen” Reko-Erfahrungen machen, gemacht, wie ihr evtl. eurem “Traum” einmal zu rekommandieren näher kommt:

Zu allererst solltet ihr euch ein paar Fragen stellen:

  • Möchte ich für Gesundheit ja sogar Leben wildfremder Menschen verantwortlich sein?
  • Würde es jemanden geben der mir diese Verantwortung zutraut?
  • Komme ich mit dem Mikrofon klar?
  • Kann ich frei und Problemlos mit Menschen kommunizieren, habe ich eine saubere Aussprache?
  • Kann ich Menschen animieren “Umsatz” zu machen?
  • Was ist im Falle einer Störung, wie sieht es mit Auf und Abbau aus?
  • Bin ich in der Lage einen Fahrbetrieb zu steuern?

Dieses sind alles Punkte die in einer Simulation am Bildschirm nicht verwirklicht und vor allem “simuliert” werden können. Da der entscheidende Faktor “Kunde” bzw. “Mensch” nicht simuliert werden kann. Menschen sind “unberechenbar”. In der “geschönten” Computer Welt gibt es keine angetrunkenen Personen, die während der Fahrt in das Laufende Geschäft springen usw.

Weiterhin solltet ihr beachten, dass es sich beim Job des Rekommandeurs nicht um einen 8 Stunden Job handelt. Arbeitszeiten von 14 Stunden am Tag sind da keine Seltenheit. Wochenende gibt es für euch nicht. Während andere Party machen, und Gute-Laune haben, müsst ihr Arbeiten.

Ihr habt immer noch Interesse?

Gut, dann würde ich an eurer Stelle nicht direkt “ins Kalte Wasser springen” und versuchen an einem Fahrgeschäft anzufangen. Besucht liebereine Los oder Spielbude (Ballwerfen, Entenangeln…), und fragt dort nach ob ihr in einer Verkehrsärmeren Zeit einmal Rekommandieren könnt. Tut euch dabei aber selbst einen Gefallen, und fragt nicht sonntags nachmittags, wenn der Laden brummt. Sondern schaut am besten bereits beim Aufbau vorbei. Keine Sorge die meisten Schausteller beißen nicht – und es ist wahrlich noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Viele werden jetzt denken “Warum an einer Losbude, das ist ja einfach…”. Ganz einfach: An einer Losbude braucht ihr euch erstmal nur auf das Publikum zu konzentrieren. Bekommt evtl. ein Gefühl für die Menschen, könnt auf diese eingehen und entsprechend agieren. Ihr habt dort weder etwas mit Fahrablauf, noch Musikauswahl zu tun und könnt durch diese nicht abgelenkt werden. Selbstverständlich hilft es hier viel, wenn man bereits Erfahrung als Moderator, Entertainer oder Alleinunterhalter bzw. DJ hat.

Solltet ihr euren Job an einer Verlosung bzw. Spielbude gut machen, und es evtl. sogar einen oder mehrere Tage durchgehalten haben, und habt gemerkt das es wirklich Spaß macht. So könnt ihr bei Gelegenheit auch mal Probieren ein Fahrgeschäft zu Rekommandieren. Auch hier gilt: Sprecht erstmal nur, und überlasst den Fahrablauf jemanden, der das schon Öfters gemacht hat. Trotzdem versucht bereits jetzt ein Gespür für den Fahrablauf zu bekommen. Und achtet besonders auf das, wodrauf der erfahrene Kollege am Pult achtet.

Wo wir übrigens gerade beim Sprechen waren. Sprecht mit klarer, Deutlicher Stimme. Nehmt die bereits erwähnte Wolldecke aus dem Mund, atmet durch die Nase und vor allem verstellt eure Stimme nicht. Im Gegenteil sprecht wie im normalen Leben auch. Dieses allerdings mit einer kraftvollen, und vor allem ansprechenden und etwas ausstrahlender Stimmlage. Schreit nicht dabei – denn das Mikrofon verstärkt eure Stimme mehr als Ausreichend. Und wenn ihr in ein Mikrofon schreit, so hört euer “Publikum” das. Und mal ehrlich – Wer lässt sich schon gerne Anschreien?

Außerdem solltet ihr auf Betonung und Satzbau eurer “Sprüche” achten. Sprecht nicht abgehackt. Nutzt evtl. vorhandene Effektgeräte Sinnvoll. Es bringt nichts, wenn ihr das Hallgerät dauernd anhabt. Lasst die Finger nicht dauernd auf der Jingle Box.
Seid Spontan, es gibt nichts Schlimmeres als “auswendig gelernte” oder sogar abgelesene Sprüche. Versucht nicht andere Rekommandeure zu kopieren. Entwickelt euren eigenen Stil. Trotzdem schaut hin und wieder anderen Rekommandeuren über die Schulter, holt euch Anregungen um euren Stil zu verbessern.

Und auch die Musikauswahl ist ein entscheidender Punkt – es wird zwangsläufig der Punkt kommen, wo ihr auch hierfür verantwortlich seid. Wichtig ist: Es geht nicht um euren Musikgeschmack, sondern um den des Publikums. Wenn die Fahrgäste Schlager hören möchten, so spielt Schlager. Steht das Publikum eher auf “Hip-Hop” so sollte das an eurem Geschäft zu hören sein usw. Denkt dran: Euer Job ist nicht, das ihr euch Amüsiert sondern das die Kasse klingelt.

Apropos Kasse: Wenn euch ein Schausteller die Kasse überlässt, so sollte diese abends auch Stimmen. Jeder kann sich beim Wechselgeld mal vertun aber wenn das dauernd vorkommt so könnt ihr als Rekommandeur noch so gut sein. Eure Tage sind gezählt. Das selbe gilt, wenn ihr “lange Finger” macht.

Ebenso solltet ihr technisches Verständnis mitbringen wenn ihr an einem Fahrgeschäft rekommandieren wollt. Auch Elektro-Kenntnisse usw. sind da auch nicht zu verachten. Es sieht kein Schausteller gern, wenn ihr wegen einer Rausgeflogenen Sicherung, ne halbe Std. still steht weil ihr nicht in der Lage seit, dieses “Problem” zu beheben.

Lasst euch vorab, über evtl. Sicherheitsfunktionen, und deren Funktionsweise informieren. Um im Notfall auch hier entsprechend reagieren zu können (Stichwort: Notentriegelung von Bügeln usw.). Ihr solltet in der Lage sein, gegenüber entsprechenden Behörden, die entsprechenden Unterlagen (Ausführungsgenehmigung, Baubuch usw.) vorlegen zu können und auch Fragen zu diesen beantworten zu können.

Außerdem solltet ihr euch im Klaren darüber sein, was zu tun ist, wenn es am Geschäft zu Streitigkeiten oder sogar zu Randale kommt. Und vor allem, vorausgesetzt ihr seid Berufstätig, was sagt euer Arbeitgeber zu dem neuen Nebenjob?

Ansonsten bleibt mir nur, euch die Daumen zu Drücken, das ihr einen Platz an einem Steuerpult findet, und denkt immer daran: “Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen”.




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